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Empfohlen Schwere Bergtour Die Überschreitung von Vorderer (2.562m) und Hinterer Platteinspitze (2.723m)

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 14. Juli 2020.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Ort:
    Isny im Allgäu
    Einmalig schöne aber auch wilde Gratüberschreitung hoch über Imst. Die Kletterei an teilweise bombenfestem Hauptdolomit sucht seines Gleichen und hat absolut Suchtpotential.

    Tour-Bewertung:

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    gut 5,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.300 Hm / 10 km
    [​IMG]Schwierigkeit bis III / T5
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung

    [​IMG]Tourengänger: Tobi, Thom

    Diese spannende und kurzweilige Rundtour bietet jedem versierteren Bergsteiger eine landschaftlich großartige und wuchtige Überschreitung von zwei durch Steige erschlossene Lechtaler Gipfel. Wie bereits von Tobias sehr treffend erwähnt, lassen sich die Pflichtkletterstellen im II. und III. Schwierigkeitsgrad eigentlich gut an einer Hand abzählen. Der Übergang zwischen beiden Gipfeln bietet aber darüber hinaus eine Vielzahl von Routenvarianten, welche einem unglaublich gute Klettereien in teils bombenfestem Fels bescheren. Aber auch ohne die Zusatzklettereien ist die Überschreitung sehr lohnend und extrem kurzweilig. Zu- und Abstieg erfordern hingegen kaum Kletterfähigkeiten, jedoch wird eine gute Trittsicherheit benötigt, vor allem im Abstieg von der Hinteren Platteinspitze hinab ins Engelkar muss auf Steinschlag geachtet werden. Wir wählen für den Zustieg die Bergbahnoption von Hochimst hinauf zur Bergstation der Alpjochbahn. Von hier geht es über den spekatukulären Drischlsteig hinüber zur Muttekopfhütte.

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    Kurz unterhalb der Bergstation der Almjochbahn hat man einen ersten instruktiven Blick über das Massiv der Platteinspitzen - rechts die Vordere und links die Hintere Platteinspitze. Im Vordergrund die herrlich gelegenen und hübsch gebauten Drischl-Hütten.

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    Schöner spektakulärer Übergang von der Bergstation zur Muttekopfhütte. Der Drischlsteig ist mit großem Aufwand durch die riesigen Felsfluhen der NO-Wand des Vorderen Alpjoches gelegt worden. Komfortabel und gut gesichert geht es durch diese unwirkliche Schotterlandschaft.

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    Nach einer knappen halben Stunde ist die schön gelegenen Muttekopfhütte bereits erreicht. Von hier geht's in leichtem Auf und Ab auf markiertem Steig weiter rasch in Richtung Vorderer Platteinspitze.

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    Tief unter den Südwänden des Platteinspitzen-Massivs folgen wir der markanten Latschengasse hinüber zum Südsteig der Vorderen Platteinspitze - sind zwar ein paar Meter zu gehen, diese verfliegen aber wie im Nu.

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    Blick vom Latschensteig hinüber zum Muttekopfmassiv und seinen Nachbarn.

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    Gleich ist der Südsteig zur Vorderen Platteinspitze erreicht.

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    Über den Südsteig gelangt man etwas mühsam hinauf in die bizarre Felsenwelt der Vorderen Platteinspitze. Wenn, dann stößt man hier auf Mitstreiter - der Rest der Tour ist überwiegend einsam.

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    Diese blockigen Felstürme beherbergen unzähligen Kletterrouten, welchen ganz bestimmt auch mal einen extra Tagesausflug wert wären. Heute geht es an ihnen links vorbei in eine rote Runse.

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    Anstieg über die rote Runse hinauf zum Steig der Vorderen Platteinspitze. Bei Verkehr am Berg ist hier Steinschlag tunlichst zu vermeiden, ab und zu kommen auch die Hände zum Einsatz (kaum I).

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    Einstieg in den leichten Steig, welcher uns schnell hinauf zum Gipfel der Vorderen Platteinspitze führt. Unten im Hintergrund der kleine und wenig bestiegene Arzeinkopf.

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    Auch wenn man im Steig auf die Seilbenutzung verzichtet, so liegen die Kraxeleien nur selten über dem I. Schwierigkeitsgrad. Nach wenigen Minuten ...

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    ... stehen wir auch schon unter dem Gipfelkreuz der Vorderen Platteinspitze.

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    Blick vom Gipfel der Vorderen Platteinspitze auf den weiteren Gratverlauf. Der mauerartige Grat im Vordergrund könnte tatsächlich gut überklettert werden, haben wir aber leider zu spät festgestellt. Zunächst müssen wir jedoch steil in die Scharte vor dem bizarren Mauergrat absteigen (II).

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    Danach umgehen wir den Mauergrat rechts auf gemütlichem Schotterband ohne Schwierigkeiten. Spannender ist mit Sicherheit der direkte Weg über die Mauer, sollte sich dabei alles im II. Schwierigkeitsgrad bewegen.

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    Wild zerrissene Felsszenerie direkt voraus. Es wird spannend - der erste Turm im Vordergrund stellt hierbei die zwingend zu kletternde Schlüsselstelle (III) der Überschreitung dar. Der krumme Turm rechts dahinter wird hingegen linksseitig - ebenfalls nicht unspannend - umgangen. Herrliches Gelände.

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    Im markanten Riss geht es steil hinauf (III), bevor man nach links an geeigneter Stelle hinausquert.

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    Um den obersten Teil des ersten Turmes herum und über eine äußerst luftige Felskante hinüber an den Fuß des krummen Turmes - der Fels ist hierbei fast überall fest - prüfen schadet trotzdem nicht!

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    Tobias auf der sehr ausgesetzten Schneide zwischen beiden Türmen. Leider lässt sich die Stelle nicht wirklich gut fotografieren - live ist es eine ganze Ecke wilder, als man hier vermuten könnte.

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    Dann folgt oft leichteres Kraxel- und Gehgelände bis hin zu einem weiteren bizarren Felsturm.

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    An geeigneter Stelle klettern wir zu seinem Fuß über steile, nicht immer zuverlässige Felsen hinab (II). Danach einige Meter nach rechts hinauf in ein Schärtchen und über steilen Krokant-Brösel (gehtechnische Schlüsselstelle der Überschreitung) kurz nach Norden hinab, um so den mächtigen Felsturm zu umgehen. Vielleicht gibt es auch noch eine sportlichere Variante halb links am Turm vorbei?

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    Fels, Fels, Fels - soweit das Auge blicken kann. Von hieraus führen uns Trittspuren links weit unterhalb des Grates in Richtung Hinterer Platteinspitze. Man kann aber auch deutlich spannender an geeigneter Stelle direkt zur Grathöhe aufsteigen. Dies beschert einem äußerst lohnende Klettereien (I-II). Allerdings muss vom hier mittig im Bild sichtbaren Gratturm recht wild und steil (III+) abgestiegen werden. Der Fels ist bombenfest, die Züge erfordern aber schon einiges an Armkraft. In der Kletterhalle sicher ein Fünfer, haha!

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    Blick hinüber zur Namloser Wetterspitze sowie Maldongrat und Gabelspitze.

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    Einstieg in die mächtige Felspassage, absolut kein Muss - nur für den der es mag.

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    Der Abstieg zwischen dem Doppelturm im Grat hat es dann in sich. Zum einen sehr ausgesetzt, da man über einer Schlucht hinab zu einem großen Klemmblock geklettert muss, zum anderen teilweise kurz leicht überhängend (III+) - wie gesagt: nur für den, der es mag.

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    Wir kommen der Hinteren Platteinspitze langsam näher, insgesamt benötigen wir knappe eineinhalb Stunden für die herrliche Überschreitung. In gutmütigem, brösligem Gelände geht es hinüber zum nächsten spannenden Schaustück der Tour - einer steil aufgestellten Felsplatte.

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    Herrlich zu klettern. Auf der Schuppe wir angetreten, im Riss finden die Hände halt (II). Irgendwie kam mir bei dieser und der folgenden Abkletterstelle unsere damalige Überschreitung der Ilfenspitzen in den Allgäuer Alpen wieder in die Sinn - vom Charakter recht ähnlich - zumindest diese zwei Passagen.

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    Nach den Platten muss ein kleiner Überhang überwunden werden. Die Stelle ist nur sehr kurz, erfordert aber Armkraft (II). Es gibt gute, feste Griffe zum sicheren Ablassen. Danach klettert oder wandert man die letzten Höhenmeter hin zum Kreuz der Hinteren Platteinspitze.

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    Jetzt ist es nicht mehr weit ...

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    ... und wir stehen am Gipfel der Hinteren Platteinspitze. Aufgrund der Wetterverschlechterung verzichten wir auf einen ausgiebige Pause und steigen rasch über den teils versicherten Normalweg ins Engelkar hinab.

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    Trotz Kettensicherung nicht unspektakulär - der Abstieg von der Hinteren Platteinspitze hinab ins Engelkar ist spannend und erfordert einen guten Tritt.

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    Über steile Schuttschrofen geht es gut markiert nach unten. Obacht wegen Steinschlag!

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    Ankunft im oberen Engelkar. Rechts oben das kleine Gipfelkreuz der Maldonkopfes und seinen oberen Südwestgrat, über welchen der äußerst lohnende und beliebte Imster Klettersteig führt.

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    Vom Engelkar steigen wir hinab zur Muttekopfhütte und über den bekannten Drischlsteig geht es zurück zur Bergstation der Imster Bergbahnen. Habe fertig!
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. September 2020
  2. Andy84

    Andy84 Registrierter Benutzer

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    Beiträge:
    15
    Die Überschreitung hat mir damals auch richtig gut gefallen.
    Und ist auch deutlich einfacher und viel mehr Gehgelände wie man vermuten würde.
     
  3. Tobias

    Tobias Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny/Maierhöfen
    Grüß dich, Andi,
    wir haben uns bei der Tour ein bissel "aufgeteilt": ich hab die einfachste Linie verfolgt, die mittlerweile auch gut ausgetreten und mit Steinmandl markiert ist, Thom hat versucht, möglichst viele Klettermeter mitzunehmen. So lässt sich zum Beispiel die erste markante Schneide ganz in Stuhlwandmanier überklettern, und auch gegen Ende können wohl lohnende Strecken über die Grataufwürfe zurückgelegt werden. Verfolgt man den einfachsten Weg, so lassen sich die Kraxelpassagen im Bereich II-III tatsächlich an einer Hand abzählen. Aber ganz deiner Meinung - tolle Runde.
     
    Thom gefällt das.
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