Empfohlen Klettern Über den NO-Grat auf den Patteriol (3.056m)

Dieses Thema im Forum "Klettern & Bouldern" wurde erstellt von Thom, 9. August 2026.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Große Urgesteinsbergfahrt auf eine Aussichtskanzel der Extraklasse. Die ersten 16 SL wurden seilfrei begangen, ansonsten ist etwas mehr Zeitaufwand einzurechnen.

    [​IMG] Tourenzeit ca. 7,5 Std. / Kletterei ca. 3,5 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.800 Hm, 26 km (davon 450 Hm, 20 km mit Bike) / ca. 700 Hm Kletterei
    [​IMG] Schwierigkeit IV+(V)
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur bei ganz sicheren Wetterbedingungen ratsam)

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Thom

    Zwar schon einige Zeit her, dennoch erinnere ich mich recht genau an die Szenerie: als ich mit 13 Jahren zum ersten Mal zusammen mit Vater und Onkel auf dem aussichtsreichen Gipfel des Großen Widderstein stand, fielen mir bei der ausgiebigen Panorama-Schau zwei markante Gipfel sofort ist Auge. Die steile Räthkalk-Kathedrale der Holzgauer Wetterspitze und das markante, 3-köpfige Bergmassiv des Patteriol. Damals wusste ich natürlich weder die Namen dieser eindrücklichen Berggestalten, geschweige denn die Gebirgsgruppen, in welchen diese lagen. Einen innigen Besteigungswunsch löste dies damals dennoch nicht in mir aus, zu wild und spannend waren die Eindrücke am Felsklotz des Großen Widdersteins. Good old times! Aber nun zur Tour. Zugegeben, auch der Normalanstieg auf den Patteriol wäre mit Sicherheit lohnend und ebenfalls nicht ganz trivial. Für den kletternden Bergsteiger ist der hier vorgestellte NO-Grat aber nochmal eine ganze Ecke attraktiver und spannender. Wer die knapp 700 Felsmeter komplett mit Seil angehen will, sollte wie eingangs erwähnt etwas mehr Zeitbedarf einplanen. So oder so wird der Aufstieg einem aber definitiv positiv im Gedächtnis bleiben, allein auf Grund seiner schieren Länge. Für ein solches Unternehmen sind trockene Verhältnisse mehr als ratsam, der flechtenbewachsene Gneis verwandelt sich sonst in eine unangenehme Rutschbahn. Wir sicherten mit einem 60 Meter Halbseil die Seillängen 17-25, welche auch zu den lohnendsten der Tour gehören. Die Absicherung ist zumeist alpin, in der Schlüsselstelle mit kleinem Überhang aber auch durchaus gut. Von St. Anton aus fahren wir mit dem Auto noch bis kurz vor die Wagner-Hütte, wo wir dieses auf einer kleinen Freifläche abstellen können und auf den Bikes geht es den langen Weg vorbei an der Konstanzer Hütte hinauf zum Wegweiser, welcher den Einstieg zum NO-Grat markiert. Hier Bike-Depot.

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    Einfahrt ins Rosanna-Tal - der wilde Patteriol direkt voraus. An diesem Tag begleitet uns Florian bis zur Konstanzer Hütte, da er noch ein im Winter zuvor begonnenes Projekt an der Vollandspitze heute zu Ende bringen möchte.

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    Nach der langen Zufahrt endlich am beschilderten Abzweig hinauf zum NO-Grat. Zunächst geht es auf seichten Pfadspuren hinauf in Richtung kleines Schneefeld. Dieses erreicht man aber nicht, sondern quert ein gutes Stück zuvor nach links über eine Bachrunse. Rechteckige, weiße Markierungen machen die Orientierung recht leicht.

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    Durch nasses und steiles Gras des Vorbaus schlängelt sich die Pfadspur nach oben. Auch hier wird schon ein gewisses Maß an Trittsicherheit und Alpinkönnen abgerufen, wirklich wild wird es allerdings nie.

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    Die ergiebigen Gewitterschauer der Vornacht machen den Zustieg ziemlich rutschig. Die Trittspuren leiten einen bis auf ein Geröllfeld. Über dieses gerade hinauf zum Einstieg mit Eisenbügel.

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    Da wir an diesem Tag leider nicht alleine unterwegs waren (trotz sehr frühen Aufbruchs von zuhause aus) und es etwas Andrang am Einstieg zum NO-Grat gab (3 Seilschaften), entschlossen wir uns kurzer Hand die ersten 6 Seillängen durch die Ostwand zu umgehen. Dies ist allerdings recht anspruchsvoll und man sollte die Steinschlaggefahr bei Betrieb am Berg absolut ernst nehmen. Der glatte und staubige Fels erfordert ein hohes Geschick an Orientierungsvermögen und Kletterkönnen. Wir kommen mit einer strammen III+ ganz gut durch, es kann aber auch schnell schwerer und heikler werden.

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    Nach dem kurzen Ostwandausflug geht es ab Seillänge 7 dann auf der Originalroute recht entspannt weiter. Die Kletterei hinauf zur hier schon gut auszumachenden Nordostschulter ist moderat, spielt sich eigentlich immer im II. Schwierigkeitsgrad ab, verläuft auf logischer Linie und macht eine Menge Spaß.

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    Typisches Gelände beim Aufstieg zur Nordostschulter (II+). Der Gipfel über uns wirkt nah, ist aber noch knapp 500 Höhenmeter entfernt, obwohl wir schon eine ganze Weile am Kraxeln sind. Genial.

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    Feine Ausblicke Richtung Lechtaler Alpen. Ein absoluter Traumsommertag.

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    Nach der Schulter haben wir dann den NO-Grat für uns alleine. Wir klettern zumeist an der nicht immer festen Gratkante (II-III) fast schon wie in Trance hinauf - wirklich ein einmaliges Erlebnis.

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    Ab Seillänge 17 ist dann Schluss mit dem seilfreien Rumgeturne. Die erste schwerere Länge will absolviert werden (IV). Dazu muss man leider den Grat verlassen und klettert nach rechts ein wenig in die in unserem Fall noch feuchte Nordflanke hinaus. Eine äußerst rutschige Angelegenheit. Anschließend geht es wie hier auf dem Foto ersichtlich wieder schön auf der Grathöhe weiter (III).

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    Die leicht überhängende Schlüsselstelle (IV+) in Länge 22 folgt bald, sie ist recht gut gesichert und ebenfalls herrlich zu klettern. Und auch in den restlichen Seillängen ...

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    ... darf nochmal recht hübsch und für die genannten Schwierigkeitsgrade anregend geklettert werden. Hier steigt Franzi zunächst auf einem äußerst luftigen Grassims nach links hinaus, um anschließend in steilem Fels Länge 23 & 24 (III) miteinander zu verbinden, was sich mit einem 60er Seil und dem etwas höheren Stand nach der Schlüsselstelle auf den Meter genau bewerkstelligen lässt.

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    In der 25. Seillänge folgt man nicht gerade aus hinauf in die markante Scharte mit Schlaghaken, sondern klettert halb rechts ein gutes Stück über steile Fels an, bis man die Bohrhakenreihe entdecken kann. Anschließend in toller und anhaltender 4er Kletterei hinauf zu einer kleinen Schulter.

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    Von dieser über etwas Bruch und eine Platte (II) nun wieder seilfrei (Minimierung der Steinschlaggefahr) hinüber zum nahegelegenen Gipfel des Patteriol. Hier im Hintergrund Küchlspitze, Kuchenspitze und der Scheibler. (v.r.n.l.)

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    Am Gipfel des Patteriol. Ein kurzes Päuschen, Verpflegungsaufnahme und vor allem die geniale Aussicht genießen muss hier oben einfach sein. Einige Normalwegbezwinger haben sich auch schon am Gipfel eingefunden.

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    Gipfelausblicke Richtung Norden. Der Abstieg über den Normalabstieg ist zwar mit zahlreichen Steinmännern markiert, ab und zu sind auch Pfadspuren sichtbar, dennoch sollte dieser ebenfalls nicht unterschätzt werden (bis II/T5).

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    Auf dem "Weg" in Richtung Südgipfel nochmals der Rückblick hinauf zur Piramide des Patteriols.

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    Im Kar unterhalb der Felsen ist dann der anspruchsvollere Teil des Abstieges vorbei, der Bruckmannweg, welcher uns zurück in Richtung Fahrräder führt ist schon zum greifen nah. Ein bisschen Arbeit für die Schenkel ist aber noch zu absolvieren, dennoch vergehen die letzten 700 Höhenmeter wie im Fluge.

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    Das lädierte Knie von Franzi hält auch den Abstiegsstrapazen gut stand. So können wir rascher als gedacht zum "gekugelten Stein" absteigen.

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    Ein letzter Blick hinauf zum diesem faszinierenden Berg, bevor wir bequem auf den Bikes hinab zur Konstanzer Hütte fahren, um hier noch eine Einkehr mit Florian, welcher sein Bergprojekt an diesem ebenfalls erfolgreich absolvieren konnte, genießen zu können.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Oktober 2026 um 16:41 Uhr
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