Empfohlen Schwere Bergtour Aperiesspitze (2.588m), Kridlonspitze (2.494m), Kreuzkopf (2.501m), Grießkopf (2.581m), Malatschkopf

Dieses Thema im Forum "Tourenbeschreibungen" wurde erstellt von Thom, 24. August 2025.

  1. Thom

    Thom Mitarbeiter Registrierter Benutzer Intern

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    Isny im Allgäu
    Vorallem gehtechnisch eine wirklich anspruchsvolle Bergtour auf zum Teil kaum je beachtete Lechtaler Schuttberge. Gute Orientierung sowie perfekte Trittsicherheit unabdingbar.

    Tour-Bewertung:


    [​IMG] ca. 7 Std.
    [​IMG] Kondition
    [​IMG] ca. 1.670 Hm / 22 km (davon 200 Hm / 8,5 km mit dem Bike)
    [​IMG]Schwierigkeit bis III / T6
    [​IMG] Aussicht
    [​IMG] Empfehlung (nur für Individualisten)

    [​IMG]Tourengänger: Franzi, Thom

    Zugegeben: Die Lechtaler Alpen gehören jetzt nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbergen, ich halte mich meist etwas lieber in den Allgäuer Heimatbergen oder dem herrlichen Lechquellengebirge auf. Trotzdem gibt es in dieser Gebirgsgruppe eine Vielzahl an Bergsteiger- oder Kletterschmankerl, welche man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Ob die hier vorgestellte Runde zu diesen Schmankerln gehört, darf jeder Tourengeher im Nachgang selbst entscheiden. Landschaftlich ist die Tour auf alle Fälle großartig, auf den meisten Tourenabschnitten hat man seine absolute Ruhe, lediglich der oftmals sehr brüchige Fels schmälert die Bergsteigerfreuden ein wenig und bringt dadurch eine gewisse Ernsthaftigkeit in die Unternehmung. Die Anforderungen sind hierbei nicht zu unterschätzen: es sind weniger die reinen Kletterfähigkeiten sondern vorallem perfekte Trittsicherheit und umsichtiges Steigen in oft brüchig, verbackenem Schrofengelände, die dem Tourenaspirant abgefordert wird. Ausgangspunkt für die hier vorgstellte Runde in Kaisers.

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    Von Kaisers aus geht es gemütlich mit den Bikes zur Kaiseralm und von dort weiter in Richtung Klämmle, über welches wir im späteren Verlauf über diese hinauf in Richtung Hintersee zu steigen. Das Wetter ist wie angekündigt traumhaft, zudem ist an diesem Sonntag rein gar nichts los in dieser Gegend. Aus dem Bildhintergrund grüßen bereits Stanskogel, Vallesinspitze, Zwölferspitzer und Elfer.

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    Der Aufstieg übers Klämmle ist kurzweilig und spannend. Lässt man die Stahlversicherungen weg, kann hier schon etwas warm gekraxelt werden, beides macht auf alle Fälle Spaß.

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    Ankunft oberhalb des Klämmle. Auf gut markiertem Weg steigen wir weiter. Die nahe Vorderseespitze lockt mit ihrem schönen Nordwestgrat, wir wenden uns aber an diesem Tage ihren Nachbargipfeln zu.

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    Nach ein wenig Geröllhatscherei erblicken wir heute zum ersten Mal unsere Gipfelziele. Links die Aperiesspitze, mittig die Kridlonspitze und ganz rechts Kreuz- und Grießkopf. Wir folgen von hier aus zunächst weiter dem Höhenweg in Richtung Kaiserjochhaus ...

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    ... und genießen dabei die Bilderbuchausblick über den Hintersee hinweg auf die Lechtaler Bergwelt. Dem Höhenweg folgen wir unter der Faselfadscharte (Scharte zwischen Aperies- und Kridlonspitze) hindurch ...

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    ... bis links über uns eine Art Band durch die wildzerklüfteten Wandabbrüche sichtbar wird. Vom Weg aus kurz etwas mühsam über den grießeligen Hang in einer halbwegs gut zu begehenden Runde unter die Felsen und vorsichtig nach links in den "Durchlass".

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    Wir folgen dem Geröllbad einige sehr brüchige Meter und steigen dann nach rechts hinauf in die steileren, aber zumindest etwas solideren Felswände hinauf, wobei der II. Schwierigkeitsgrad bei geschikcter Routenwahl nicht überspannt wird. Luftig ist es dennoch allemal. Wer sich hier unwohl fühlt, sollte sinnvollerweise zurück zum Höhenweg absteigen, da die Aperiesspitze und der Abstieg von der Kridlon noch deutlich anspruchsvoller und unangenehmer werden, wie der kurze Aufstieg in die Faselfadscharte.

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    Ankunft in der Faselfadscharte mit Blick auf den nur noch wenig eisgepanzerten Hohen Riffler.

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    Wir wenden uns nun dem teils extrem brüchigen Westgrat der Aperiesspitze zu. Die ersten Meter sind hierbei noch gemütliches Gehgelände. Links hinten die von hier aus gesehen gar nicht so wuchige Vorderseespitze.

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    Wir steigen zumeist direkt am Westgrat, bzw. knapps rechts über Rinnen und Bänder in brüchigem Fels dem Gipfel der Aperiesspitze entgegen. Es sind nicht die Kletterabschnitte (bis max. II+), welche die Unternehmung so anspruchsvoll machen. Vielmehr die zwar oft nur kurzen, aber teilsweise äußerst heiklen und auch ausgesetzten Gehpassagen in verbackenem Grieß machen die Route über den Westgrat sehr anspruchsvoll, dies merkt man besonders im Abstieg. Unachtsamkeiten oder gar Ausrutscher sind hier zu unterlassen.

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    Nach etwa der Hälfte des Westgrates wird es kurz entspannter, bevor wir über den nun nicht mehr ganz so brüchigen Gipfelgrat in leichter Kletterei (I-II) zum höchsten Punkt mit Steinmannl aufsteigen.

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    Gipfel Aperiesspitze. Die Aussicht ist grandios. Wir verweilen aber nur kurz und machen uns rasch wieder an den sehr anspruchsvollen Abstieg hinab in die Faselfadscharte.

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    Blick vom oberen Westgrat der Aperiesspitze hinab zum herrlich gelegenen Hintersee.

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    Nach der Besteigung der Aperiesspitze ist der Auftstieg über die Ostflanke und den oberen Ostgrat der Kridlonspitze ein netter Spaziergang. Wir genießen die Einsamkeit und Ruhe am Berg.

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    Rückblick von der Kridlonspitze auf den Westgrat der Aperiesspitze. Man hält sich immer am besten in Gratnähe oder knapp rechts daneben auf, die geröllüberlagerten Steilflanken sind keine Option für den Aufstieg. Es bleibt dennoch brüchig und nicht ganz unheikel.

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    Die letzten Meter hinauf zum Gipfel der ebenfalls sehr einsamen Kridlonspitze. Diese liegt zwar direkt über dem Höhenweg, es gibt aber auch hier keinen leichten Aufstieg fürs Wanderpublikum.

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    Der Abstieg in die Kridlonscharte ist mitunter sehr luftig und wieder mal brüchig. Einige Steinmänner weisen einem den Weg. Wir steigen nach einer kurzen Bruchquerung direkt zu einem markanten Felskamin sehr steil hinab und über diesen nach unten in die Scharte. Etwas leichter wäre es, den Steinmännern in die braungelbe mergelige Nordflanke der Kridlonspitze zu folgen.

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    Einklettern in den luftigen, aber bombenfesten Felskamin (oben kurz III, dann II). War uns eindeutig lieber als das Gerutschte in der wohl gar nicht mal so schwer zu begehenden Nordflanke.

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    Kurz oberhalb der Kridlonscharten mit Blick auf den weiteren Übergang zum Kreuzkopf (knapp rechts der Bildmitte). Der direkte Aufstiegsgrat besteht aus schönem Kalkfels, allerdings war ich mir über dessen Machbarkeit nicht ganz sicher. Franzi hätte ihn auf alle Fälle angetestet. Nach kurzer überlegung entscheiden wir uns für den kleinen aber einfacheren "Umweg" über die kurze Südwestflanke des Kreuzkopfes.

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    Hierzu folgen wir kurz dem Höhenweg in Richtung Kaiserjochhütte bis unter die Südwand des Kreuzkopfes (hier links im Bild) und steigen über schöne Bergwiesen hinauf zur äußersten Schulter des Nordostgrates. Hier käme man auch bei direkten Üergang von der Kridlonscharte raus.

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    Von der Schulter begutachten wir nochmal den direkten Aufstieg von der Kridlonscharte hier hinauf, sieht fast besser machbar aus, wie der Blick von unten. Dann geht es über den Nordostgrat an den wild zerklüfteten Gipfelaufbau des Kreuzkopfes heran.

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    Ein wilder Bruchturm versperrt einem hierbei den Weg. Wir umgehend diesen ostseitig (I/T5-6) über ein lüftig, abschüssiges Band und steigen wieder zum splittrigen Grat hinauf.

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    Über großes Blockwerk geht es schließlich die letzten Meter einfach (I) hinauf zum höchsten Punkt.

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    Am Gipfel des Kreuzkopfes.

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    Der Übergang zum nahegelegenen Grießkopf ist abwechslungsreich und nicht mehr ganz so brüchig. Die zumeist einfachen Klettereien (I-II) machen Spaß, die Aussicht ist stets herrlich. Man hält sich meist in Gratnähe dabei auf.

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    Am Gipfel des Grießkopfes. Selbst diesen haben wir heute für uns alleine. Nach kurzer Pause geht es über den markierten Steig hinauf zum Kaiserjochhaus.

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    Den kurzen Abstecher hinüber zum aussichtsreichen Malatschkopf lassen wir uns natürlich nicht nehmen.

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    Mit Stahlketten versicherter Aufstieg am Malatschkopf. Dennoch kann etwas Trittsicherheit hier nicht schaden.

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    Malatschkopf. Von diesem steigen wir in wenigen Minuten zurück zum gut besuchten Kaiserjochhaus zurück und weiter über markierte Wanderwege hinab in Richtung Kaiseralm.

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    Abstieg Richtung Kaiseralm. Links die kaum bestiegene Vallesinspitze, rechts hinten die eigenwillige Berggestalt der Kaisersteinspitze, welche wohl nur auch äußersten selten Besuch von Bergsteigern erhält.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. September 2025
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  2. revirii

    revirii Registrierter Benutzer

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    Da ich die Tour vor ein paar Jahren auch gegangen bin... wegen Kreuzkopf: ich vermute mal, ihr habt den dicken Kalkbrocken/-riegel südseitig umgangen und seid dann zum Ostgrat des Kreuzkopfs hoch, so hab ich das jetzt verstanden.

    Aus dem Gedächtnis... Ich bin damals direkt hoch: von der Kridlonscharte noch ein Stück dem Weg gefolgt (und nicht über dieses brüchige Türmchen gekraxelt) und dann über Gras an den Gratansatz rauf. Stellenweise gibts da komischen braunen Fels (akzeptable Qualität) und dann über festen Kalk weiter. Gelände ist stellenweise ein wenig unübersichtlich, man muss ein paar Mal gut zupacken, weiter oben wird der Grat etwas schmal, Qualität bleibt aber noch gut. II-III und T6 hätt ich gesagt.

    Von der Kridlonspitze sieht man nördlich des Kalkriegels so eine Graszunge, ich denke, über diese könnte man den Kalkriegel ggf. auch nordseitig umgehen. Bin mir nicht sicher, wie leicht sich diese erreichen lässt, die Bilder geben nix her, könnte evtl heikles Gelände sein. Gut, auch nicht heikler als der Rest :wink:

    Erst ab der Grathöhe nimmt die Felsqualität dann ab. An den Weiterweg hab ich dann keine Erinnerung mehr, auch nicht an die Umgehung des Bruchturmes.